Nie mehr ohne Escapio – ein Ägypten Erfahrungsbericht
Unsere Kolumnistin Irina von Bentheim verschlug es mit Ihrem Liebsten nach Ägypten. Zum Glück hat sie die Seele einer Rucksacktouristin, so dass sie ihre Reise mit viel Gelassenheit angehen, und uns über diese mit viel Humor berichten konnte. Dank Irina sind wir nun um einige wichtige Ägypten Tipps reicher, und freuen uns, unser Ägypten Hotel Portfolio so schnell wie möglich zu erweitern:
Was passiert, wenn man ohne Escapio bucht, konnte ich neulich in Ägypten am eigenen Leib erfahren.
Escapio wächst ja noch (glücklicherweise). Insofern wird aus dem momentan einem Hotel, das in Ägypten empfohlen wird (das traumhafte Steigenberger Al Dau Beach Hotel), hoffentlich bald eine ganze Liste anderer Hotels erwachsen. Und empfehlenswerte Hotels gibt es dort sicherlich.
Wir sind im September von Kairo nach Ain Sukhna gefahren (was nur eine gute Stunde dauert) und hatten dort im Ramadan Hotel ein Zimmer gebucht. Das war im Merian-Reiseführer nett beschrieben. Mein Freund war skeptisch, da er schon einige schlechte Erfahrungen mit Ramadan Hotels gemacht hatte. Ich neige zum Optimismus, aber ein bisschen mulmig wurde mir schon auf dem Weg dorthin. Eines ist sicher: 4Sterne Hotels in Ägypten sind immer ein Risiko. Das hört sich versnobt an, ist aber ganz ernst gemeint. 4 Sterne in Ägypten sind eben nicht mit 4 Sternen in Europa zu vergleichen. Und da ganz Ägypten eine Baustelle im Buddelkasten zu sein scheint, darf ich mich gar nicht von den zahlreichen Rohbauten, die um das Hotel herum stehen, beeindrucken lassen, auch die Fabrik in Sichtweite gehört nun mal zu dieser Gegend unweit von Suez dazu.
Andere Länder, andere Sitten. So ist das nun mal. Und andere Länder, andere Bedürfnisse. Ägypter nutzen die Hotels anders. Sie buchen oft nur für einen Tag, ohne Übernachtung und nutzen ein Zimmer mit der ganzen Großfamilie. Deswegen sind die Zimmer auch oft riesig und aufgrund der vielen Menschen, die darin ihren Wochenend-Bedürfnissen nachgehen, sehr abgenutzt. Als ehemalige Rucksack- und Vielreisende bin ich ja so einiges gewöhnt und auch schon ein wenig abgehärtet, trotzdem bevorzuge ich einfache Unterkünfte, wenn sie auch als einfache Unterkünfte deklariert sind. Eine Hütte am Strand ohne Klimaanlage und mit einem einfachen aber sauberen Badezimmer ist mir lieber als eine riesige Suite (was anderes war an dem Wochenende nicht verfügbar für uns) mit zwei Bädern, wovon eines abgeranzter war als das andere, einer Klimaanlage, die nicht funktioniert, demoliertem Mobiliar und (!) schmuddeligen Hand- und Betttüchern.
Wir nahmen es mit Humor und liefen gleich zum Strand, der ganz hübsch lag, mit Liegestühlen und Sonnenschirmen und glasklarem Wasser.
Mein erstes Bad im Roten Meer lockte mich mit aller Gewalt, aber irgendwie war es nicht so herzerfrischend wie ich es mir vorgestellt hatte. Die Ägypter nutzen jegliches Wasser nur um stundenlang darin rumzustehen und zu quatschen und zu… nein, das schreibe ich jetzt sicher nicht. Ich schwimme gern. Leider war aber ziemlich schnell eine Leine gespannt, die ich überschwamm. Die Einheimischen warfen mir ein paar Bemerkungen zu, die ich leider nicht verstand und lachten – wie ich glaubte – freundlich.
Ich hatte im Wasser die ganze Zeit das Gefühl, dass ich von kleinen Feuerquallen malträtiert wurde. Als ich nun fast am Ufer angekommen war, durchzuckte es mich arg am Arm. Kurze Zeit darauf hatte ich einen roten Ring am Oberarm, der anschwoll und juckte. Eine Engländerin erklärte mir, dass das von der Leine stammte, an der sich winzigkleine Seeigel absetzen, deren Stacheln jetzt in meiner Haut piekten. Wäre ja nett gewesen, das vorher zu erfahren…
Des nachts nun juckte mich nicht nur mein Arme, sondern mein ganzer Körper und ich war völlig zerstochen. Meine Befürchtung kann ich nicht belegen, aber ich hatte schon früher einmal Flohstiche!
Was unseren Aufenthalt in Ain Sukhna allerdings wirklich versüßte war nicht nur die Tatsache, dass wir einmal Zeit nur für uns hatten und frische Seeluft schnuppern durften (im Gegensatz zum Smog in Kairo), sondern auch das Mövenpick-Hotel neben dem Ramadan, zu dem wir abends am Wasser entlang flüchteten. Um keinen Preis der Welt wollte ich die Küche im Ramadan testen. Im Mövenpick nun erwartete uns alles was unser Herz begehrte: 5 Sterne Luxus, eine dem Hotel vorgelagerte, künstliche Insel mit Pool und Palmen und Restaurant darauf. Dort spielte eine Band Folklore und wir waren die einzigen Gäste, die dort essen wollten (alle anderen aßen wohl im klimatisierten Hotelrestaurant). Dieser Abend am Meer, mit einer ständigen Brise und herrlicher Musik, gehört zu den schönsten, die ich je erlebt habe. Das Essen war auch vorzüglich, mit fangfrischem Fisch für meinen Liebsten und einer unschlagbaren Metzzeh-Platte für mich. Als er mich dann auch noch unterm Sternenhimmel zum Tanz aufforderte, war mein Traum komplett. Aus dem wollte ich auch nicht aufwachen, als wir uns wieder in die verdächtigen Laken des Ramadan zurück zogen, die von niemandem geglättet oder gewechselt worden waren.
Und ich träume einfach weiter…
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